HeilKundeZentrum Velden

Irmgard Lindner, Yogalehrerin

Eine Übung aus dem Yoga zur Stärkung des Immunsystems und der Regenerationsfähigkeit des Körpers

 

Es gibt viele Möglichkeiten, die zur Gesunderhaltung des Körpers beitragen. Sei es eine gesunde Ernährung, eine ausgewogene Lebensführung mit genügend Schlaf, die Vermeidung von unnötigem Stress und natürlich einer ausreichenden Bewegung, die zu einer Belebung und Vertiefung des Atems führt und damit dem Körper Wärme und Energie schenkt.

Mit dem Atemprozess ist der Mensch auf unbewusste Weise mit seinem Umfeld und der Atmosphäre des Außenraumes verbunden, während ihm die Sinne eine bewusstere Wahrnehmung eröffnen. Wir wollen z.B. mit diesen Sinnen die Temperatur und die Gerüche in der Luft und auch die verschiedenen Farben und Formen der Natur bewusst erleben. Es ist uns ein Bedürfnis, soziale Kontakte zu pflegen und verschiedene Interessen miteinander auszutauschen. Das Erleben des Außenraumes gehört sozusagen zu unserem alltäglichen Leben dazu.

Das Dreieck (Fotos: Irmgard Lindner)



Ich möchte Ihnen hier eine Körperübung aus dem Hatha-Yoga vorstellen, die durch ihre Form und gezielte Dynamik die Bewegung und das Erleben weit in den Außenraum führt:

Wenn Sie die beiden Bilder betrachten, sehen Sie, wie der Übende den stabilen Dreiecksstand einnimmt und sich aus der Körpermitte weit wachsend in den freien Raum hinausbewegt. Die Flanken öffnen sich zum Raum, das Zwerchfell wird durch die weite Dehnung entstaut und eine freiere und tiefe Atmung ist nach der aktiven Phase unmittelbar zu erleben. Bildhaft gesehen äußert sich in dieser Übung die seelische Qualität von aktiver Beziehungsfreude zum Außenraum.

Ausführung:

Stellen Sie sich in einen gleichseitigen Dreiecksstand. Dieser Stand bleibt während der weiteren Bewegung stabil und fest. Richten Sie zunächst die Wirbelsäule bis zum Scheitel wachsend vertikal auf und lassen Sie dabei den Schultergürtel entspannt. Nehmen Sie dann den linken Arm nach oben und den rechten Arm – die Handfläche nach unten gerichtet – horizontal zur Seite. Aus der Mitte des Rumpfes (der Bereich des Sonnengeflechtes, ca. auf der Höhe des Mageneinganges) wächst die Bewegung dann auf die rechte Seite dynamisch in den Raum hinaus (Bild links). Achten Sie bei dieser seitlichen Bewegung darauf, dass die Hüfte gerade bleibt und der Beckenkamm nicht ausweicht. Der Oberkörper und die Arme bleiben leicht.

Der Atem wird während des gesamten Übungsvorganges bewusst frei gelassen.

Der umgebende Raum wird in der Bewegung tastend wahrgenommen und die Weite des Raumes überträgt sich auf diese Weise empfindungsvoll auf die Ausdehnung des gesamten Brustbereiches. Die ganze Bewegung ist von dem Gefühl einer freudigen und weiten Ausdehnung motiviert und kommt dann aber auch für einige Atemzüge zur Ruhe (Bild rechts). Die rechte Hand wird am Bein abgelegt, ohne sich darauf zu stützen. In dieser Phase des Übens können Sie auf die genaue Gliederung der Körperform achten: Die seitliche Bewegung wird dynamisch in der Körpermitte gehalten; Schultern, Arme und Nacken bleiben leicht und der Stand ist ruhend. Kommen Sie dann wieder nach oben zurück und üben Sie in gleicher Weise die andere Seite.

Die Übung wirkt intensiv auf den Bereich des Zwerchfells und regt die Stoffwechselorgane im mittleren Bauchraum an. Die befreiende Atembewegung entsteht durch die gezielte Aktivierung der Körpermitte, aber auch durch die bewusste Wahrnehmung zum umgebenden Atemraum. Der freie Atem löst physische wie auch psychische Spannungen auf und der Mensch erlebt sich gelöster und in seiner Eigenkraft gestärkt.

Auch im alltäglichen Leben können wir beobachten, dass emotionale Einschnürungen und bedrängende Ängste sich leichter lösen, wenn es uns gelingt, unsere Wahrnehmung und bewusste Anteilnahme aktiv nach außen zu richten.

Interessant ist dabei, dass ähnliche Vorgänge auch im Immunsystem des Menschen stattfinden. Wir haben dort ein weisheitsvolles Erkennungs- und Abwehrsystem. Dieses System arbeitet mit spezifischen und unspezifischen Abwehrprozessen. Im spezifischen Abwehrsystem finden Wahrnehmungs- und Abwehrprozesse gegenüber neuen oder fremden Stoffen statt. Indem wir von Geburt an mit immer neuen, weil ständig mutierten Viren u.ä. in Kontakt kommen, entwickelt der Körper eine Art Abwehrgedächtnis. So ist in diesem System eine äußerst große Aktivität in der Begegnung mit dem Außenraum angelegt.

Für eine gute Immunkraft und Gesundheit sind deswegen auch soziale Kontakte, eigene Ziele und ein bewusster und sinnvoller Umgang mit den Themen der Zeit wichtig. Mit dieser aktiven Anteilnahme entstehen für uns immerfort neue Möglichkeiten mit erweiternden Perspektiven und wir können den herankommenden Anforderungen und Ängsten freier begegnen.

Üben Sie das Dreieck in der warmen Jahreszeit am besten im Freien oder bei geöffnetem Fenster.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Gelingen und viel Freude beim Üben.