Baumeister Weinsnabel - Oder: Zwei Aufträge sind einer zuviel

Harald Bammler

Komödie zur 600-Jahr-Feier der Kirche Riegelstein – Der Bau der Kirche im Jahr 1421.

 

Von Harald Bammler, er ist mit seinem Sohn Moritz als Schauspieler dabei.

Heinrich Thüriegel auf Riegelstein möchte gerne sein kleines Holzkirchlein im Ort fertig stellen lassen. Allerdings ist sein Baumeister gestorben, so trifft es sich gut, dass in Spies Hanß Weinsnabel den Auftrag bekommen hat, die von den Nürnbergern 1397 zerstörte Burg Spies wiederaufzubauen. Dieser erhält also von ihm den Auftrag, auch die Kirche fertigzustellen.

Nur leider ist Meister Weinsnabel dem Wein sehr zugetan und lässt seine Baustellen eher ruhen, als dass etwas vorwärts geht. Den eigentlich träumt er davon, viel größere Kirchen zu bauen. Seine Schwestern Kunigund, welche ihm den Haushalt führen soll, und Katharina, eine Nonne, welche vor den Hussiten in Böhmen geflohen ist, sind verärgert. Zumal die Gefahr eines Hussiteneinfalles droht und die Burg Spies nur Schutz bieten kann, wenn sie gut befestigt ist.

So beschließen die beiden Frauen, den Bau in die eigenen Hände zu nehmen. Ihnen soll Jakob, der Sohn der Kunigund helfen. Dann kommt noch der Bau der Kirche in Riegelstein hinzu, für welchen Meister Weinsnabel einen schlechten Vertrag ausgehandelt hat. Zu allem Übel schickt der Bayernherzog noch Reisige, welche Jakob zum Heer gegen die Hussiten einziehen sollen. Kommt es noch zur Kirchweih für alle?

Die historischen Hintergründe

In einem Verzeichnis der zu leistenden Abgaben für den Hussitenfeldzug im Jahr 1421 findet sich die erste Erwähnung der Kirche Riegelstein. Ob diese auf der Burg Riegelstein stand, oder bereits im Dorf an der heutigen Stelle, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Allerdings ist eher ersteres anzunehmen.

Im gleichen Jahr 1421 ließ Konrad von Aufseß, ein Lehensmann Friedrichs, des Burggrafen von Nürnberg, Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach und Kürfürsten der Mark Brandenburg, die Burg Spies wieder aufbauen. Diese war 1397 durch ein Kontigent mehrerer Reichsstädte im Auftrage König Wenzels zerstört worden.

1415 war Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz als Häretiker auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Die daraus entstandene reformatorische Bewegung der Hussiten erfasste zuerst Böhmen und drohte nun militärisch in die angrenzenden Länder des Heiligen Römischen Reiches überzuschwappen. König Sigismund versuchte dies zu verhindern, indem er Heere gegen die Hussiten aufstellen ließ. Nach einem Aufruf von Papst Martin V. wurden daraus ab 1420 Kreuzzüge, das Reich war im Krieg. Der Aufruf zum 2. Hussitenkreuzzug erfolgt 1421.

In diesem Kontext spielt die Episode mit einem trinkfreudigen Baumeister und seinen Schwestern, die mit weiblicher Energie den Bau zweier Gebäude übernehmen. Natürlich fehlt auch eine Liebesgeschichte nicht. Eine geldgierige Lehensherrin, zwei sonderbare Reisige und ein schwerhöriger Wirt komplettieren mit vielen anderen die Figuren des Stückes. Idee und Text stammen von Markus Böse.